I. Einleitung

Die Arbeit gibt einen Überblick über die Inflationstheorie und geht dabei auf die wichtigsten Arten der Inflation ein.
Zu Beginn wird der Frage nachgegangen, was ist Inflation ? Dieser Teil wird von aktuellen Daten zum Preisindex begleitet, der die Meßeinheit einer Inflation darstellt.
Nach einem Überblick über die Gesamtheit aller Inflationstheoretischen Ansätze, werden die Typen der Nachfrage und Angebotsinflation vom Wesen her dargestellt.
Ein dritter Teil über die wichtigsten Wirkungen der Inflation bildet mit einem Fazit den Schluß dieser Arbeit.
Als Basistexte liegen der theoretische Überblicksartikel von Cassel (1995) und die Einführung in das Thema von Baßeler/Heinrich/Koch (1995) der Arbeit zugrunde.

II. Erklärungs- und Überwindungsansätze der Inflation

1. Was ist Inflation ?

"Unter Inflation versteht man im allgemeinen eine über einen längeren Zeitraum zu beobachtende Zunahme des Preisniveaus" (Baßeler/Heinrich/Koch (1995): 644).

Diese Definition ist eine Symptomdefinition und beschreibt somit das äußere Erscheinungsbild einer Inflation. Wichtig ist dabei zu beachten, daß es nie um das dauerhafte Ansteigen einzelner Preise in einer Volkswirtschaft geht, sondern alle Preise müssen im Durchschnitt steigen.

Bei Preisniveausenkungen spricht man dagegen von Deflation.

"Inflation, verstanden als Prozeß anhaltender Preisniveausteigerungen, ist somit ein gesamtwirtschaftliches "monetäres Phänomen" (Friedmann, 1979,1), das notwendig an die Existenz des Geldes gebunden ist und in einer Naturalwirtschaft nicht auftreten kann"(Cassel 1995: 268).

Der Ursprung der Inflation liegt in der Einführung des Geldes in den Wirtschaftskreislauf, wobei eine notwendige Verbindung zum Gütermarkt durch folgende Gleichung abgeleitet wird: M/Y = k * p

Der permanente Anstieg der nominalen Geldmenge pro Outputeinheit(M/Y), d.h. die Wachstumsrate der nominalen Geldmenge ist in der Inflation größer als die des realen Sozialproduktes (@M - @Y > 0). Diese Seite des Terms ist das Inflationsangebot.

Das "überschüssige" Geld wird entweder als Kasse gehalten oder dient der Finanzierung des durch Preiserhöhungen aufgeblähten Einkommens-kreislaufs. Die Änderungsraten des Kassenhaltungskoefizienten (@k) und des Preisniveaus (@p) können als Indikatoren der Inflation betrachtet werden und Stellen die Inflationsnachfrage dar.

Wächst die überschüssige Geldmenge, versuchen die Marktakteure auf den Güter- und Faktormärkten, durch eigene Preisanpassungen den Preissteigerungen zuvorzukommen, nun steigen auf breiter Front die Preise. Diese Konstellation entspricht der in funktionstüchtigen Marktwirtschaften auftretenden Preisinflation.

1.1. Der Preisindex als Meßeinheit der Inflationsrate

Der Hauptinflationsindikator Preisniveau wird gemessen durch den Preisindex. Die bekanntesten Formeln zur Berechnung dieses Index sind die Typen nach Laspeyers und Paasche. Der erstere hat mit dem Warenkorb des Basisjahres eine feste Gewichtung zur Berechnung der Preise im Berichtsjahr. Der Laspeyers-Index gibt somit Aufschluß wieviel in einem bestimmten Berichtsjahr der Warenkorb eines Basisjahres gekostet hätte. Die Preisindex nach Paasche gibt Auskunft darüber, was ein Warenkorb des aktuellen Berichtsjahres, z.B. 1998, im Basisjahr, derzeit 1995, gekostet hätte (vgl. Krafft 1994: 90-93).

Das Statistische Bundesamt hat insgesamt fünf (Laspeyers) Lebenshaltungsindizies entwickelt, wobei der Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte und der Preisindex für die Lebenshaltung von Zwei-Personenhaushalten von Renten- und Sozialhilfeempfängern "[...] den breitesten Adressatenkreis und dem-entsprechend auch die größte Relevanz für die wirtschaftpolitische Inflationsdiagose."(Cassel 1995: 270) haben.

1.2. Aktuelle Daten

Das derzeitige Basisjahr ist 1995 und wird im Jahre 2000 neu festgesetzt. In Deutschland stieg der Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte im Jahresdurchschnitt 1998 um 1,0% gegenüber 1997. "Dieses günstige Ergebnis wurde wesentlich von den stark rückläufigen Preisen für Mineralölerzeugnisse beeinflußt"(Statistisches Bundesamt 1999 zit. nach Internet http://www.Statistik-bund.de, 02.06.1999 13:25).

Preisindizes für die Lebenshaltung und Index der Einzelhandelspreise

Deutschland

1995 = 100

Jahr Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte Index der

Einzelhandelspreise

1991 87,2 93,8
1992 91,6 96,3
1993 95,7 98,3
1994 98,3 99,3
1995 100,00 100,00
1996 101,4 100,7
1997 103,3 102,1
1998 104,3 102,7

Quelle: Statistisches Bundesamt 1999

1.3. Inflationsbegriffe

Je nachdem welche Kriterien angewendet werden, unterscheidet man verschiedene Arten der Inflation, die wichtigsten sind (vgl. Baßeler/Heinrich/Koch 1995: 645-646 und Cassel 1995: 273-275):

schleichende (trabende) Inflation, Galoppierende Inflation, Hyperinflation

Die Einteilung nach der Stärke der Preissteigerung ist recht willkürlich. Einige Autoren lassen die schleichende Inflation bei einer Rate von 3% p.a. in eine trabende und bei 8% in eine galoppierende übergehen, andere sehen schon bei 3% den Übergang von der schleichenden in die galoppierende Inflation.

Eine Einteilung nach den Phasen der Inflation geht davon aus, daß die Inflationsraten in der Zeit steigen, gleichbleiben oder abnehmen können. Abnehmende Inflationsraten kennzeichnen eine Disinflation, die nicht mit einer Deflation (den Rückgang des Preisniveaus) zu verwechseln ist. Steigende Inflationsraten kennzeichnen eine akzelerierte Inflation.

2. Inflationstheoretische Erklärungsansätze und Vertiefung der wichtigsten Ansätze

Die am meisten verbreitete Unterscheidung in der ökonomischen Systematik von Inflationstheoretischen Ansätzen ist die Unterscheidung von realen und monetären Inflationserklärungen. Allerdings gehen neuere Theoriemodelle von einer Verschmelzung beider Ursachen aus und stellen die Monokausalität in Frage. Eine übersichtliche Systematik der Erklärungsansätze liefert Cassel (vgl. Cassel (1995): 277):

Die Analyse der Inflation geht den Fragen nach: Wie wird eine Inflation ausgelöst, in Gang gehalten, beschleunigt, verlangsamt oder stabilisiert und international übertragen ?

In den folgenden Kapiteln werden die wichtigsten Inflationserklärungen der Angebots und Nachfrageseite vorgestellt und anhand dieser Fragen abgehandelt.

2.1. Nachfrageinflation (Nichtmonetärer Nachfragesog)

Der Ansatz der den Inflationsimpuls auf der Nachfrageseite sieht, gilt als der älteste Ansatz der modernen Inflationserklärungen. Ausgangspunkt ist die autonome Erhöhung der Gesamtausgaben (Nachfrage: @Güternachfrage), die auf ein völlig unelastisches Angebot trifft. Inflationsverursacher sind somit die Nachfrager. Diese können der Staat, die privaten Haushalte, die Investitionnachfrage der Unternehmen und auch das Ausland seinoder nach Cassel: M * V = Y * P = C + I + Ast + Ex - Im

:

(monetäres A) BSP + Im < Cpr + Ipr + Ast + Ex (monetäre Nf)

In diesem Nachfrageüberhang ist kurzfristig keine Ausdehnung der Produktion möglich, so bewirkt die überschüssige Güternachfrage eine Preissteigerung. Trotz der Erhöhten Ausgaben erhalten alle Nachfrager die gleiche Gütermenge wie bisher. Die Preissteigerung saugt die zusätzliche monetäre Nachfrage auf.

Der Nachfrageüberschuß wird mit dem Verhalten der wirtschaftlichen Akteure begründet. Die privaten Haushalte, hier als Beispiel für Inflationsverursacher, können aufgrund von Veränderungen der Konsumneigung, der Einkommens- und Vermögensverteilung, der Bevölkerungsentwicklung usw. inflationär expandieren. Die Finanzierung speist sich aus zusätzlicher Verschuldung, Vermögensabbau oder Senkung der Sparquote (vgl. Cassel 1995: 284)

Wie kann es zu einer solchen Situation kommen ?

Die Nachfrager müssen als Voraussetzung Ihre Ausgaben entsprechend erhöhen können und wollen. Bei privaten Investoren ist dies der Fall, wenn die Chancen auf Gewinn in der Zukunft hoch sind. Die Unternehmerhaushalte vermehren ihr Geldvermögen durch das gestiegene Preisniveau automatisch. Bei den Nichtunternehmer-haushalten wird durch die "überschüssige" Nachfrage auf dem Gütermarkt, die Nachfrage nach Arbeit steigen und somit auch der Preis für Arbeit. Es entsteht eine Überschußnachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Die Gewerkschaften werden Tariflohnerhöhungen in Höhe der Preissteigerungen ohne Probleme durchsetzen können. Die Haushalte können somit Ihre reale Nachfrage aufrechterhalten, dies gilt ebenso für Staat und Ausland. Die Folge ist: die Gesamtnachfrage bleibt auf einem Niveau, daß über dem Sozialprodukt liegt. Der Inflationsprozeß wird in Gang gehalten.: Überschußnachfrage à Preissteigerung à Gewinnsteigerung à Lohnsteigerung è Überschußnachfrage.

Dieser Prozeß kann auch ohne staatliche Hilfe gestoppt werden, denn nicht alle Gruppen der Volkswirtschaft werden ihr Einkommen in gleichem Umfang steigern können, diese müssen dann ihren Konsum einschränken. Bei ständig steigenden Preisen iund festen Wechselkursen ist auch ein Rückgang der Auslandsnachfrage zu erwarten. Sollte der Staat dennoch eingreifen, so wäre dies durch eine taktische Einschränkung der Nachfrage möglich.

Eine absolut notwendige Bedingung für einen langanhaltenden Prozeß der Nachfrageinflation ist eine monetäre Alimentierung. Denn wenn die Zentralbank die Geldbasis nicht oder nicht im notwendigen Umfang erhöht, so können z.B. die für die Investoren notwendigen Kredite nicht zur Verfügung gestellt werden. Der Inflationäre Prozeß wäre gebremst. Ausgabensteigerungen sind "kreislauftheoretisch nur dann realisierbar, wenn sie gemäß" M * v = Y * p = C + I + G + Ex –Im "monetär alimentiert werden."(Cassel 1995: 285).

Im Gegensatz zur monetären Nachfragesogtheorie sieht die oben dargestellte nichtmonetäre Nachfragesogtheorie in der monetären Alimentierung die Ursache für die Inflation. Monetaristen interpretieren die modifizierte Cambridge-Gleichung, dann von links nach rechts, vom Geldmarkt zum Gütermarkt. Monetäre und nichtmonetäre Nachfragesog-theorien führen formal zum selben Ergebnis.

Der Inflationsimpuls (@ Güternachfrage) kann neben den oben genannten hausgemachten Verursacher auch vom Ausland ausgehen. Ist die Zunahme der Nachfrage auf eine Zunahme der Exporte ausgelöst, weil bspw. pausland > pinland, so ergibt sich eine erste Form der importierten Inflation. (vgl. Baßeler/Heinrich/Koch 1995: 649)

2.2. Angebotsinflation (supply-push)

Die Inflationsverursachenden Impulse können nicht nur von Nachfrageseite ausgehen, sondern ebenfalls von der Angebotsseite. Zu Preissteigerungen kommt es hier, wenn Kostensteigerungen über Preise an die Nachfrage weitergegeben werden oder wenn Anbieter einen höheren Gewinnaufschlag durchsetzen. Daraus ergeben sich die "beiden Grundtypen" (Baßeler/Heinrich/Koch 1995: 649) der Angebotsinflation. Kostendruck- und Gewinndruckinflation. Sollte es zu Preissteigerungen bei wirtschaftlicher Stagnation kommen, spricht man auch von Stagflation.

Auf die Strukturtheorie die den Angebotsdruck auf zu geringe Lohn- und Preisflexibilität in einer wachsenden und offenen Wirtschaft zurückführt gehen wir hier nicht ein.

2.2.1. Kostendruckinflation

Der Auslöser beim autonomen Angebotsdruck sind Preissteigerungen bei den Faktorleistungen, Rohstoffen etc., die von den Unternehmen nicht durch Produktivitätssteigerungen aufgefangen werden können. Um Gewinneinbußen oder gar Verluste zu vermeiden, werden die Produktpreise erhöht. Hier spielt die administrative Preisfestsetzung (Zuschlagskalkulation) eine entscheidende Rolle. Kostensteigerungen können folgende Ursachen haben (vgl. Baßeler/Heinrich/Koch 1995: 650):

Steigen die Preise für importierte Vorprodukte, Rohstoffe etc., so haben wir es mit einer weiteren Variante der importierten Inflation zu tun. Der autonome Importpreisdruck entsteht bei festen Wechselkursen und freien Waren- und Dienstleistungsverkehr immer dann, wenn das Ausland stärker inflationiert als das Inland.

Die Kostendrucktheorie konzentriert sich neben dem Importpreisdruck sehr auf den Lohndruck, da dieser meist den größten Kostenanteil darstellt. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Gewerkschaften, die aufgrund ihrer großen Verhandlungsmacht in der Lage seien, Lohnerhöhungen durchzusetzen, die über den Produktivitätssteigerungen liegen (= Lohndruck). Die Dauer des autonomen Lohndrucks hängt im wesentlichen von der Zielsetzung, der Verhandlungsmacht und der Organisationsstruktur der Gewerkschaften ab (vgl. Cassel 1995: 290). Selbst in der Stagnation, die durch den Rückgang von Produktion gekennzeichnet ist, wodurch auf dem Arbeitsmarkt die Nachfrage nach Arbeit zurückgeht, werden die Gewerkschaften trotz Unterbeschäftigung Lohnsteigerungen durchsetzen, die die Preissteigerung anstoßen.

Auf die über die Produktivitätserhöhung hinausgehende Lohnerhöhung reagieren die Unternehmer mit prozentual gleichen Preiserhöhungen, die bei unverändertem Geldwert der Güternachfrage zu einem Rückgang von Produktion und Beschäftigung führen würden. Die Lohndruckinflation wird durch eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gehalten: Gütermäßig hat sich weder für Unternehmer noch für Arbeitnehmer verändert, lediglich das Preisniveau ist durch den gescheiterten Umverteilungsversuch der Gewerkschaften gestiegen. Versuchen die Gewerkschaften trotzdem erneut, durch Lohnerhöhungen die Lohnquote zu erhöhen, so wiederholt sich obiger Prozeß (Lohnerhöhung à Preiserhöhung) (vgl. Baßeler/Heinrich/Koch 1995: 652).

Abgesehen vom Lohn- und Preisstopp können zwei Faktoren den Fortgang der Inflation stoppen: eine Verminderung der Nachfrage nach Gütern oder eine nicht schnell genug steigende Geldmenge. Ein Abbremsen des Aufwärtsprozesses der Preise wird zunehmend schwerer. Die Nachfrage muß somit immer stärker einschränkt werden, begleitet von einem rezessiven Druck wird erforderlich, bevor die Lohn- und Preisforderungen der Tarifpartner bzw. Unternehmen auf den Oligopolmärkten nachlassen. "Wer mit der Inflation flirtet, wird von ihr geheiratet – und scheiden tut weh"(Teichmann 1997: 108)

2.2.2. Gewinndruckinflation

Die Gewinndruckinflation kommt zustande, wenn Unternehmen versuchen ihren Gewinnanteil am Volkseinkommen zu erhöhen. Eine hinreichende Bedingung für den autonomen Gewinndruck ist, daß bei administrativer Preisfestsetzung, der Preisaufschlag ständig steigen muß, dies ist nur in zwei Fällen denkbar:

bei zunehmender Vermachtung der Märkte (Oligopolisierung/ Monopolisierung), d.h. die Wettbewerbsintensität geht zurück oder die direkte Preiselastizität der Nachfrage geht zurück.

  1. bei wiederholter Erhöhung des Gewinnziels von Unternehmen

Der Inflationsprozeß wird hier durch eine Preis-Lohn-Spirale in Gang gehalten. Auch hier ist wieder die monetäre Alimentierung und Veränderung der Nachfrage zu beachten.

2.3. Überlagerungen von Nachfrage- und Angebotsinflation

Die theoretische Trennung von Nachfrage- und Angebotsfaktoren kann praktisch nicht aufrecht erhalten werden, so daß die theoretische Trennschärfe des Impulses in der Praxis selten klar ausgemacht werden kann.

Realiter werden Preis und Lohnsteigerungen, die sich nahezu gleichzeitig vollziehen, nicht auf ein auslösendes Moment zurückzuführen sein.

2.4. Monetaristische Inflationserklärung

Aus monetaristischer Sicht geht der Inflationsimpuls von einer übermäßigen (zu starken) Erhöhung der Geldmenge aus.

Die monetaristische Inflationserkärung weicht nicht fundamentell von der Nachfrageinflation (siehe Kapitel 2.1.) ab. Die Ursache wird aber nicht im Güterbereich gesehen, sondern hier wird eine entsprechende Geldmengenerhöhung (@M) vorgelagert.

Die Erhöhung der Geldmenge führt zu einer steigenden Nachfrage nach Wertpapieren, da das Gleichgewicht der Vermögensanlage gestört wird, es erfolgt eine Substitution von Geld durch Wertpapiere. Die Kurse der Wertpapiere werden steigen, was einer Abnahme der tatsächlichen Verzinsung entspricht (in ist gegeben). Bei unveränderten Preisen und Erträgen führt dies zu einer Substitution von Forderungen durch Realvermögen, wodurch die Nachfrage nach Konsum und Investitionsgütern zunimmt. Die Nachfrageerhöhungen führen dann zu Preissteigerungen.

Der Inflationsprozeß wird im monetaristischen Erklärungsansatz druch eine exzessive Geldmengenvermehrung aufrecht erhalten, um eine politisch unerwünschte Beschäftigungskrise zu vermeiden. Der Auslöser einer solchen Krise kann eine niedrige Geldmenge sein, sein die eine Ausdehnung der Güternachfrage behindert.

Die Theorie der Nachfrageinflation und der monetaristische Erklärungsansatz sehen somit in der Geldmenge eine notwendige Bedingung für einen Anhaltenden Inflationsprozeß. Die Ergebnisse beider Ansätze sind ähnlich.

Anmerkend sei hier eine dritte Variante der importierten Inflation erwähnt, die durch die Zahlungsbilanzüberschüssen bei festen Wechselkursen automatisch zu einer Geldmengenerhöhung führen. In einem System fester Wechselkurse kann die Zunahme der Geldmenge somit auch von außen, ohne Einwirken der Politik herbeigeführt werden.

2.5. Verteilungskampf

Eine weitere Inflationserklärung sieht Inflation als Folge eines Verteilungskampfes um das Volkseinkommen. Die Akteure des Kampfes sind der Staat, organisierte soziale Gruppen und einzelne Einkommensbezieher.

Die Einkommensunterschiede werden als ungerecht empfunden, so kommt es zu Forderungen der Akteure von Einkkommensverbesserungen, der Forderung zur Umverteilung zu deren Gunsten. Da die Summe aller Einkommensansprüche das Sozialprodukt übersteigt, versuchen die Akteure durch den Einsatz von Machtmitteln ihre Ansprüche durchzusetzen. Nachfrageseitig wird der Kampf mit erhöhten Ausgaben geführt, Angebotseitig über Lohn und Preiserhöhungen (Angebotsdruck).

Diese Anspruchsinfaltion wird als "Ventil einer tiefen sozialen Unzufriedenheit gesehen"(Cassel 1995: 293) und führt wieder zu Preissteigerungen.

3. Wirkungen und Folgen der Inflation

Der Inflation werden meist negative Wirkungen zugeschrieben, ebenso verbreitet ist aber die Hypothese, daß eine schleichende oder trabende Inflation die Beschäftigung fördere. Wirkungsanalysen von Inflationären Prozessen haben jedoch gezeigt, daß von den Wirkungen der Inflation keine Rede sein kann. Somit sind neben den Kosten und Nutzen der Inflation selber, die Kosten und Nutzen der Inflationsbekämpfung zu berücksichtigen, jede Stabilitätspolitische Entscheidung für oder gegen eine Inflationsbekämpfung hängt daher von einer doppelten Kosten-Nutzen-Analyse ab. Inflation kann also auch politisch erwünscht sein, wenn sie einen Vorteil bringt.

Positive und Negative Inflationswirkungen sind die inflationsbedingten Abweichungen der Wachstumstumsrate des realen Sozialprodukts von Ihren natürlichen Niveau nach oben oder unten. Somit auch positive und negative Beschäftigungseffekte, die als Differenz zwischen natürlicher und tatsächlicher Arbeitslosenquote definiert werden (vgl. Cassel 1995: 312).

3.1. Beschäftigungswirkungen

Die Frage, ob die Inflation die Beschäftigung fördere läßt sich wie folgt vereinfacht darstellen.

Der Staat erhöht bei Arbeitslosigkeit seine Nachfrage, so wird ein höheres Volkseinkommen und eine höhere Beschäftigung geschaffen (Multiplikator/Akzelerator). Je mehr sich die Volkswirtschaft nun der Vollbeschäftigung nähert, desto mehr wird es zu Engpässen in der Produktion kommen, was Kosten- und somit Preissteigerungen zur Folge hat. Eine geringfügige Zunahme der Beschäftigung, kann nur noch durch sehr hohe Inflationsraten erkauft werden. Die Substituierbarkeit zwischen Arbeitslosigkeit und Beschäfftigung wird unter dem Stichpunkt "Phillipskurve" diskutiert.

3.2. Wirkungen auf die Einkommens- und Vermögensverteilung

Eine Benachteiligung der Lohnempfänger wird bei der Nachfrage- und Gewinndruckinflation abgeleitet, weil hier der Preisanstieg dem Lohnanstieg zeitlich vorrausgeht. Umgekehrt soll es bei der Lohndruckinflation sein. Baßeler/Heinrich/Koch (1995:657 ff.) befürworten eine solche Umverteilungswirkung nur kurzfristig. Die zeitliche Folge von Lohn- und Preiserhöhungen und damit die Frage, ob eine Preis-Lohn oder eine Lohn-Preis-Spirale vorliegt, könne praktisch nicht fixiert werden.

Eine echte Benachteilung von Lohnempfängern in der Inflation ergibt sich allerdings bei denen, deren Einkommen weniger stark steigen als die Preise, z.B. bei Rentnern.

Bei den Vermögensbesitzern ergibt sich in der Inflation ein Nachteil für solche, deren nominales Nettovermögen langsamer zunimmt als das Preisniveau und umgekehrt.

Jede Einkommens- und Vermögensart sowie jeder Einkommensbezieher ist prinzipiell von der Inflation betroffen, so daß die Umverteilungseffekte auf allen nur denkbaren Verteilungsebenen stattfinden können. So profitiert bei den Preissteigerungen im allgemeinen der Schuldner und verliert der Gläubiger. Sozialpolitisch bedenklich betroffen sind die kleinen Sparer, deren Vermögen von der Inflation vertilgt wird.

Einleuchtend ist die Umverteilung bei den zwischen den Besitzern von Geld- und Sachvermögen. Geldvermögen verliert, Sachvermögen gewinnt real an Wert.

3.3. Wachstumswirkungen

Ob die Inflation das Wachstum bremst oder fördert ist somit weitgehend ungeklärt. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, daß Inflation Wachstumshemmend wirkt.

Wachstumshemmnisse resultieren aus der kapazitäts- und effiziens-mindernden Umlenkung knapper Ressourcen von der Produktion von Waren (und Dienstleistungen) in die "Produktion" von Erwartungen, Antizipationen und Antizipationswirkungen (vgl. Cassel 1995: 315) wie z.B.:

Positive Wachstumswirkungen können sich aus Verteilungswirkungen der ergeben, wenn etwa als Folge einer Erhöhung der Gewinne im Inflationsprozeß die Investitionen zunehmen oder die Unternehmens-verschuldung real abnimmt.

III. Fazit

Von welcher Seite man die Inflation mit ihren Preisniveausteigerungen und deren meist negativen Wirkungen auch Betrachtet, die Bekämpfung ist ein Kernziel einer jeden Wirtschaftspolitik. Eine erfolgsversprechende Bekämpfung von übermäßigen Preisniveausteigerungen muß an den Ursachen ansetzen und darf dabei in keiner Weise die Kosten der Inflationsbekämpfung außer Acht lassen.

Preisniveaustabilität hat neben den Wirtschaftskreislaufeffekten auch psychologische Effekte, die als Selbstzweck angestrebt werden, Preisniveaustabilität hat somit Zielcharakter.

V. Literaturverzeichnis

Cassel, D. (19956): Inflation in: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik.München

Krafft, Dietmar (1995): Wirtschaftskreislauf und Sozialprodukt In: Einführung in die Wirtschaftswissenschaft für "Lehramt" und "Magister".Münster

Ströbele, W. (1995): Inflation – Einführung in Theorie und Politik. München

Teichmann, U.(19975): Grundriß der Konjunkturpolitik.München,S.101-114

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